Theaterwissenschaft München
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Vortrag von Raimund Rosarius (TWM Forschungskolloquium)

Tausend Sinne reflektieren? Embodied Research als Methode in der Theaterwissenschaft

30.06.2021 um 12:00 Uhr

rosarius 

Herzliche Einladung zum

Vortrag von Raimund Rosarius

"Tausend Sinne reflektieren? Embodied Research als Methode in der Theaterwissenschaft"

im Rahmen des TWM Forschungskolloquiums

Zeit: Mittwoch, 30.6.2021, 12.00 c.t. via Zoom

Zoom-Zugang:
https://lmu-munich.zoom.us/j/98052079853?pwd=UTBFTFl0WU5wNkdwVytjT08vZ1BnQT09

Meeting-ID: 980 5207 9853
Kenncode: 549181

Mein Vortrag fragt nach den Potentialen von Embodied Research in der Theaterwissenschaft, nicht im Sinne einer praktischen Ergänzung – etwa einer Ausbildung von Körpertechniken in theaterwissenschaftlichen Curricula – sondern als komplementärer Ansatz zur Wissensproduktion, der auch die Dimensionen etablierter Methoden wie der Aufführungs- oder Bewegungsanalyse erweitern kann. Die körperzentrierte (auto-)ethnographische Herangehensweise aus dem Spektrum qualitativer Forschung reiht sich damit in die Methodendiskussion innerhalb der Theaterwissenschaft ein.
Für das Sommersemester 2020 konzipierte ich das Seminar „Der Körper in Zeiten von Lockdown und Physical Distancing: Embodied Research als proaktive Strategie“. Die COVID-19 Pandemie, unter deren Vorzeichen dieses Seminar eine Neuausrichtung fand, machte körperliche Facetten der Wahrnehmung, etwa bei einem Theaterbesuch, gerade durch ihre Abwesenheit in einer neuen Deutlichkeit bewusst. Gleichwohl war Feldforschung, die einen Fokus auf die eigene Körperlichkeit setzte, möglich. Aus dem Kontext dieses Seminars entstehen im Moment drei Bachelorarbeiten unter Anwendung von Embodied Research Methodologien. Die epistemologischen Leerstellen, welche die Studierenden mit ihren Arbeiten zu schließen suchen, zeigen auf, dass Embodied Research methodenübergreifend einen Beitrag dazu leisten kann, das wissenschaftliche Subjekt in eine multisensorische Körperperspektive zu dimensionieren, und dem theaterwissenschaftlichen Ich durch Erweiterung des reflektierten Sinnesspektrums eine größere Reflexivität zu verleihen.
Verwandte Methodologien anderer Disziplinen (der Körpersoziologie, der sensorischen Ethnographie oder der Psychologie/Psychotherapiestudien etc.) können kunstwissenschaftliche Horizonte überschreiten, und Embodied Research von ebenso fachnahen Ansätzen (Performance-as-Research, Artistic Research etc.) produktiv abzugrenzen helfen. Transkulturelle Betrachtungen von Embodiment und Subjektivität haben in einer eklatanten Parallelität zu sensorischen Technologien und Emerging Sciences das Bild des menschlichen Körpers in den letzten Jahren radikal (re-)konfiguriert. Soll nun die Theaterwissenschaft abwarten bis sich diese Zäsur in den szenischen Künsten abzeichnet, oder sich selbst als Zukunftsforschung begreifen und eigenmächtig den Möglichkeitsraum neuer Vorstellungen von Körperlichkeit erkunden?

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