Theaterwissenschaft München
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Sharifi, Dr. Azadeh

Dr. Azadeh Sharifi

DFG-Projekt „(Post)migrantisches Theater in der deutschen Theatergeschichte – (Dis)Kontinuität von Ästhetiken und Narrativen“

Kontakt

Foto: © Thomas Wieland


Publikationen

Biographie

Azadeh Sharifi studierte Germanistik, Philosophie und Jura (Öffentliches Recht) an der Rupprecht-Karls-Universität Heidelberg und promovierte 2011 in Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim mit einer Arbeit über „Theater für alle? Partizipation von Postmigranten am Beispiel der Bühnen der Stadt Köln“. Sie war unter anderem Fellow am Internationalen Forschungskolleg Interweaving Performance Cultures an der Freien Universität Berlin (2014–2015) und hat beim Balzan-Preis Forschungsprojekt „Die Rolle der freien Theater im europäischen Theater der Gegenwart: Strukturelle und Ästhetische Veränderungen“ unter der Leitung von Prof. emer. Dr. Manfred Brauneck und Internationalem Theaterinstitut (iTi) Deutschland mitgearbeitet). Von 2016 bis 2019 hatte sie eine DFG-Eigene Stelle PostDoc-Projekt für Ihr Forschungsvorhaben „(Post)migrantisches Theater in der deutschen Theatergeschichte – (Dis)Kontinuitäten von Ästhetiken und Narrativen“.
Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit ist sie auch kuratorisch tätig. So war Sie mit Kuratorenteam des Kinder- und Jugendtheaterfestivals „Augenblick Mal 2017“ und Festivals „Politik im Freien Theater 2018“, eine Kooperation der Bundeszentrale für politische Bildung mit den Münchner Kammerspielen und dem Spielmotor e.V.
Azadeh Sharifi ist Mitglied des Future Advisory Board des Performance Studies international (PSi)

Forschungsschwerpunkte

Postmigrantisches Theater, Zeitgenössisches Theater, Freie Szene, Postkoloniale und dekoloniale Diskurse, Theatergeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts, Aktivismus und Interventionen, Intersektionionale und feminstische Diskurse im Theater

Forschungsprojekt

Seit 2016 forscht Azadeh Sharifi an einer Geschichte des (post-)migrantischen Theaters. Das postmigrantische Theater und seine Entstehung (Ballhaus Naunynstrasse, 2008) wird in dieser Forschung als Ausgangs- und Wendepunkt für das Theater von eingewanderten Theatermacher*innen und Theaterschaffende of Color in Deutschland betrachtet. Dieser paradigmantische Moment im deutschen Theater bedarf allerdings einer historischen Einordnung in eine Theatergeschichte, die von einer (Dis-)Kontinuität von Narrativen und Ästhetiken seit dem Anwerbeankommen (1955) und erster Theaterproduktionen in den 1960er Jahren ausgeht und sich bis in das zeitgenössische Theater durchzieht. Die (post)migrantische Theatergeschichte legt den Fokus auf die unterschiedlichen Phasen von Theaterschaffenden und Theatergruppen, die seit den 1960ern unter prekären Bedingungen trotzdem künstlerisch produziert haben und sich (regionale, nationale und internationale) Netzwerke und eigene Produktions- und Präsentationsbedingungen geschaffen haben.
Die Aufarbeitung der Geschichte eines (post-)migrantischen Theaters beinhaltet zugleich auch einen kritischen Blick auf das eigene Fach und die Disziplin der deutschsprachige Theaterwissenschaft. Hier gilt es insbesondere die deutschsprachige Theatergeschichte und Theatergeschichtsschreibung zu befragen, die die (marginalisierten und rassifizierten) Peripherien der deutschen und deutschsprachigen Gesellschaften nicht berücksichtigt haben. Das Fehlen der Theaterarbeit und Theaterschaffenden im akademischen Curriculum und theaterwissenschaftlichen Kanon sowie in den Theaterarchiven und Sammlungen ist ein Zeugnis dieser Versäumnisse.
Die Forschungsarbeit widmet sich eines Erarbeitens und Formulieren eines Archiv der (post-)migrantischen Theatergeschichte sowie einer kritischen Analyse und Historisierens der deutschsprachigen Theaterwissenschaft unter Bezugnahme postkolonialer Kritik.